Angststörungen
Was ist Angst?
Angst ist wahrscheinlich das grundlegendste unserer Gefühle. Obwohl Angst oftmals
unangenehm ist, ist sie nicht gefährlich, sondern ein normales Gefühl, mehr noch,
eine biologisch sinnvolle Reaktion mit einem hohen Überlebenswert, die als wichtiges
Signal für Bedrohungen im Laufe von vielen tausend Jahren Evolutionsgeschichte entstanden
ist. Sie kann die Aufmerksamkeit erhöhen und uns auf schnelles Handeln vorbereiten.
Dabei äußert sich die Angst in körperlichen Reaktionen wie z.B. Herzrasen, Schwitzen,
Muskelanspannung, Atemnot, Gedanken wie z.B. "Das ist gefährlich", "Das könnte mir
schaden" und Verhalten wie z.B. Flucht, Vermeidung oder hilfesuchendes Verhalten.
Diese drei Bestandteile hängen zwar im Allgemeinen zusammen, müssen aber nicht immer
gleichzeitig oder gleich stark auftreten. Manche Menschen nehmen mehr die körperliche
Komponente der Angst wahr, während andere Menschen mehr die Gedanken- oder Verhaltenskomponente
wahrnehmen.
Wenn die Angst zum Problem wird
Behandlungsbedürftige Ängste liegen dann vor, wenn die Angstreaktionen der Situation
nicht angemessen sind, die Angst unangemessen häufig, lange und intensiv auftritt,
die Betroffenen keine Möglichkeit zur Erklärung, Reduktion und Bewältigung der Angst
haben, die Angst quälend wird und den Lebensvollzug erheblich einschränkt.
Es gibt verschiedene Formen von Angststörungen wie z.B. plötzlich und scheinbar
grundlos auftretende Panikattacken, körperbezogene Ängste, Ängste vor Situationen
in der Öffentlichkeit (im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, von anderen Personen
beobachtet und bewertet zu werden, als dumm, ungeschickt aufzufallen etc.), Ängste,
eine Situation nicht verlassen zu können, umzufallen und ohne Hilfe zu sein (Menschenmengen,
Kaufhäuser, öffentliche Verkehrsmittel, alleine sein etc.) oder andere spezifische
Ängste wie Angst vor Tieren, Höhe etc.
Nicht selten verändert sich infolge der Ängste das gesamte Leben. Depressionen,
sozialer Rückzug, Kontaktverlust sowie zunehmende Abhängigkeit von anderen Menschen
können ebenso Folgen lang anhaltender Ängste sein wie wachsende berufliche und familiäre
Probleme.
Wie entstehen Angststörungen?
Zahlreiche Faktoren können zur Entstehung von Angststörungen beitragen, z.B. eine
körperlich bedingte Bereitschaft, mit Angst zu reagieren, ein besonders belastendes
Lebensereignis, aber auch lang andauernde, alltägliche Belastungen, die den Körper
unter dauerhaft hoher Anspannung halten.
Der erste Angstanfall entsteht meist in alltäglichen Situationen, in denen wir körperliche
Beschwerden wie Atemnot, Schwindel oder Herzrasen empfinden. Dies bedeutet nicht
automatisch, dass eine gefährliche Situation vorliegt. Diese Symptome könnten ebenso
eine körperliche Reaktion auf Anstrengung oder Stress sein.
So kann jemand, der mit knapper Not seinen Zug erreicht hat, Atemlosigkeit und Herzrasen
auf seinen eiligen Gang zurückführen. Er kann die Ursache des Herzrasens aber auch
darin sehen, dass er sich im Zugabteil unangenehm beengt fühlt. Die Atemlosigkeit
wird bei dieser Deutung plötzlich zur Atemnot und es entsteht der Eindruck, in engen
Räumen nicht genug Luft bekommen zu können.
In diesem Fall wird die gesamte Situation als bedrohlich erlebt. Die Körpersignale
werden als Zeichen der Angst gedeutet. Dass aus einem ersten Angstanfall eine dauerhafte
Angststörung entstehen kann, hängt damit zusammen, dass die Betroffenen den Angstanfall
als einen extrem unangenehmen Gefühlszustand erfahren und fürchten, er könne sich
wiederholen.
Sie versuchen deshalb, Angst auslösende Situationen zu vermeiden. So entsteht die
"Angst vor der Angst", ein Teufelskreis aus Befürchtung und Vermeidung. Dabei unterscheidet
der Körper nicht, ob es sich um eine wirklich existierende Gefahr handelt oder um
reine Erwartung. Er aktiviert das "Alarmprogramm Angst", sobald man nur in die Nähe
einer solchen Situation kommt, ja oft sogar schon beim bloßen Gedanken.
Therapeutische Strategien der Klinik Carolabad
Unser kognitivverhaltenstherapeutisches Konzept hat sich als wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit
für Angststörungen bewährt und zeigt auch in Langzeituntersuchungen eine sehr hohe
Effektivität.
Allgemeine Ziele unserer Behandlung sind die Bewältigung der Ängste, der Abbau von
Vermeidungsverhalten sowie die Steigerung von Lebensqualität, Lebensfreude und Bewegungsfreiheit
im Alltag. Der erste Schritt hierbei liegt in der genauen Analyse der Angsterkrankung
und ihrer verschiedenen vorausgehenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen.
Es wird gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten ein plausibles Erklärungsmodell
sowie ein ganz persönlicher Behandlungsplan mit individuellen Auswegen aus dem Teufelskreis
der Angst erstellt. Unerlässlich ist dabei - nach einer entsprechenden Vorbereitung
- eine schrittweise Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen und der Verzicht
auf das Vermeidungsverhalten, um zu erleben, dass die Angstreaktion nachlässt und
der Teufelskreis der Angst unterbrochen werden kann.
Dieses Vorgehen führt zu einer stabilen Reduktion von Angst, einer Erweiterung des
Verhaltensspielraums und zum Aufbau von Selbstwirksamkeit. Ergänzt wird dieses Therapieangebot
durch gezielte Entspannungsmethoden (PMR, Atementspannung, Tai Chi, Biofeedback),
die Förderung von Kompetenzen und Aktivitäten sowie das Erlernen von neuen Strategien
im Umgang mit belastenden Situationen z.B. im Rahmen von Depressionsbewältigungstraining,
Selbstsicherheitstraining, Problemlösetraining, Genusstraining, Ergo- und Kunsttherapie,
Sport- und Physiotherapie und Soziotherapie.