Somatoforme Störungen
Unter Somatoformen Störungen versteht man körperliche Beschwerden, die die Form
körperlicher Erkrankungen annehmen, sich jedoch nicht organisch nachweisen lassen.
Häufig leiden Betroffene nicht nur an einem Symptom sondern an mehreren Beschwerden
gleichzeitig. Die Beschwerden können wechseln und sehr hartnäckig sein. Um von einem
Krankheitsbild der Somatoformen Störung sprechen zu können, muss eine dauerhafte
(mindestens 6 Monate lange) vorhandene Beeinträchtigung vorliegen.
Ein weiteres Merkmal Somatoformer Beschwerden ist, dass sie in unterschiedlichsten
Stärken auftreten können. Obwohl die Beschwerden als sehr intensiv erlebt werden,
finden Ärzte keinen körperlichen Befund. Im Idealfall schließt der Arzt durch seine
Untersuchungen eine körperliche Ursache und eine eventuelle Gefahr für das Leben
aus. Wahrscheinlich stellt er eher eine vermeintliche Diagnose, die die vorhandenen
Beschwerden fachsprachlich beschreibt, allerdings keine organischen Ursachen und
seelischen Einflüsse einbezieht. Dies führt zu einer großen Verunsicherung des Betroffenen.
Die Folge sind weitere Untersuchungen und Ärztewechsel mit der großen Hoffnung,
eventuell übersehene organische Erkrankungen zu finden. Dabei kann der Betroffene
in eine regelrechte "organische Sackgasse" geraten und die Einleitung wichtiger
Therapien wird dadurch verhindert.
Häufige Somatoforme Beschwerden
- Kopfschmerzen/Gesichtsschmerz
- Bauchschmerzen/ Magenschmerzen
- Übelkeit, Druckgefühl, Kribbeln, "Unruhe im Bauch"
- Herzrasen, Herzstolpern
- Hitzewallungen, Erröten
- übermäßig schnelles Ein- u. Ausatmen
- Rückenschmerzen
- Brustschmerzen
- Völlegefühl, Blähungen
- Brennen in Brust u. Magenbereich
- Schweißausbrüche
- Atemnot
- Unangenehme Kribbelempfindungen
Betroffenen leiden sehr unter dem Verlust der Lebensqualität. Wiederholte diagnostische
Untersuchungen, operative Eingriffe, alternative Heilverfahren, Einnahme von Arzneien,
Physiotherapien, Osteopathien, Akupunktur, etc. nehmen viel Zeit in Anspruch, bringen
nur eine vorübergehende Linderung der Beschwerden und führen in einen regelrechten
Teufelskreis. Dazu kommt der erlebte Verlust der körperlichen Belastbarkeit, der
beruflichen Aufgaben und der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Die Verzweiflung
kann so stark werden, dass sich Depressionen und Ängste einstellen.
Ursachen
Ursachen Somatoformer Beschwerden liegen in einem Wechselspiel von biologischen,
seelischen und gesellschaftlichen Faktoren.
Beispiele für Biologische Faktoren
- Vererbungsprozesse
- Störungen der Stoffwechselabläufe der Botenstoffe im Nervensystem
- Störungen der Stoffwechselabläufe des körpereigenen Cortisol (Stresshormon)
Beispiele für Seelische Faktoren
- Lernerfahrungen in der Familie (Umgang mit Krankheit und körperlichen Beschwerden)
- seelische Erschütterungen oder Schocks (Gewalt, Missbrauch)
- allgemeine Ängstlichkeit
- Neigung zur Selbstbeobachtung
Beispiele für Gesellschaftliche Faktoren
- niedriger sozialer Status
- Arbeitslosigkeit
- Scheidung
- Verlusterlebnisse
- Alkoholkrankheit
Ungünstiges Verhalten unterstützt den meist langwierigen
Verlauf der Somatoformen Störung:
- ständiges Achten auf körperliche Missempfindungen
- eingeengter Gesundheits-bzw. Krankheitsbegriff
- Abhängigkeit von der ärztlichen Rückversicherung
- Unterstützung der Krankenrolle durch die Angehörigen
- falsche Befundmitteilungen durch Ärzte
Therapeutische Möglichkeiten in der Klinik Carolabad
Eine wirksame Therapie erfordert die Analyse des eigenen Verhaltens. Wir erarbeiten
mit Ihnen ein bio-psycho-soziales Krankheitsmodell. Unsere verhaltensmedizinische
Behandlung soll dazu beitragen, belastende, zunächst unerkannte Ereignisse und die
Zusammenhänge zu den aktuellen Beschwerden zu erkennen.
Dazu gehört weiterhin das Führen eines Befindlichkeitstagebuch, Hilfe bei der Änderung
der Gedanken und der Einstellungen bezüglich der somatoformen Beschwerden, das Erlernen
von Entspannungstechniken, ein gezielter Aktivitätenaufbau und das Erarbeiten einer
alltagstauglichen Rückfallprophylaxe.
Durch das Erleben von Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit wird das Vertrauen in
die Abläufe des eigenen Körpers gestärkt und aktiv gegen eine falsche Bewertung
der Beschwerden gehandelt, im Sinne der Wiedererlangung einer erhöhten Lebensqualität.
Behandlungsbausteine:
- kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Einzelgespräche
- Angst-, Depression-, Schmerzbewältigungstrainings
- Training Sozialer Kompetenzen
- Entspannungstraining (PMR, Atementspannung, Tai Chi, Biofeedback)
- Genusstraining
- Ergotherapie
- Ernährungsberatung
- Sport- und Physiotherapie