Zwangsstörungen

Krankheitsbild Zwangsstörungen

Zwangsstörung

Im Kino sind Zwänge lustig. Wenn Melvin Udall alias Jack Nicholson in der US-Komödie "Besser geht's nicht" den Badezimmerschrank öffnet, eines der etwa 50 sorgsam aufgestapelten ungebrauchten Seifenstücke auspackt, sich damit unter kochendheißem Wasser wäscht und die Seife dann wegwirft, amüsieren sich die Kinobesucher. Der Filmheld vergisst nie, stets fünfmal den Schlüssel im Schloss der Wohnungstür herumzudrehen, und er geht nie ohne sein Plastikbesteck aus dem Haus, denn die Angst, dass Messer und Gabel im Restaurant schmutzig sein könnten, beherrscht seine Gedanken. Die Fugen im Straßenbelag überspringt er konsequent, bis sein kleiner Hund, zum Ergötzen der Zuschauer, es ihm nachtut.

Erst auf den zweiten Blick kommt man auf den Gedanken, dass es sich dabei um eine schwerwiegende psychische Störung handelt, die in der Realität alles andere als lustig für die Betroffenen ist. Ca. 1 Million sind in unserem Land von Zwängen betroffen, so dass Zwangserkrankungen zu den vierthäufigsten psychischen Erkrankungen zählen. Und doch sind Zwänge in der Öffentlichkeit so gut wie nicht bekannt. Die Betroffenen empfinden ihre Erkrankung als besonders peinlich und befürchten, als "verrückt" abgestempelt zu werden. Sie versuchen häufig, ihr zwanghaftes Verhalten zu verheimlichen und zu vertuschen, so dass eher die psychischen und sozialen Folgen ins Auge fallen, die durch die Zwangserkrankung verursacht werden.

Durchschnittlich kommen die Betroffenen erst 7 bis 10 Jahre nach Beginn der Erkrankung in eine zielführende Behandlung. Hinter solch nüchternen Zahlenangaben verbergen sich menschliche Schicksale, in denen Menschen fehldiagnostiziert wurden, als unheilbar erklärt oder mit wenig hilfreichen Ratschlägen abgefertigt wurden. Dabei führen moderne Behandlungsmethoden, allen voran die kognitive Verhaltenstherapie, die in unserer Klinik durchgeführt wird, bei ¾ der Betroffenen zu einer langfristigen und befriedigenden Besserung.

Was versteht man unter einer Zwangsstörung

  • Der Patient berichtet über einen inneren, subjektiven Drang,bestimmte Dinge zu denken oder zu tun.
  • Die Person besitzt Einsicht in die Sinnlosigkeit ihrer Gedanken und Handlungen.
  • Die Person leistet zumindest einen gewissen Widerstand gegen die Gedanken bzw. gegen die Ausführung der Handlungen.
  • Die Gedanken und Rituale führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Lebensvollzuges.

Häufigste Erscheinungsformen von Zwängen

Zwangshandlungen

Zwangshandlungen sind willkürliches Verhalten, das der Patient mit dem Ziel ausführt, die Angst oder das Risiko eines Unglücks zu vermeiden. Sie sind mit vorübergehender Erleichterung oder der Vorstellung verbunden, dass die Angst ansteigt, wenn das Ritual nicht ausgeführt worden wäre.

Zwangsgedanken

Zwangsgedanken sind unwillkürliche, aufdringliche Gedanken, bildhafte Vorstellungen oder dranghafte Impulse, deren Inhalt meist mit Beschmutzung, Ansteckung, Schuld, Verantwortung und Gewalt zu tun hat. Personen, die solche aufdringlichen Gedanken erleben, betrachten sie in der Regel als abstoßend, unannehmbar, sinnlos und schwer zu verscheuchen.

Therapeutische Möglichkeiten

Therapeutische Ansatzpunkte gibt es von Seiten der Pharmakologie wie auch von Seiten unterschiedlicher therapeutischer Richtungen. Vor allem die in unserem Hause schwerpunktmäßig angewandte kognitive Verhaltenstherapie hat sich als die Methode der Wahl herausgestellt:

  • Analyse der Zwänge nach Verhalten, Gedanken und Gefühlen.
  • Erklärung, warum die Zwangsstörung zustande gekommen ist.
  • Erarbeitung der Funktionen, die die Zwänge im Leben des Patienten übernommen haben.
  • Entwicklung von sinnvollen und zwangsfreien Handlungsweisen, die die Zwänge ersetzen und dieselben Funktionen erfüllen können.
  • Erklärung und Durchführung eines Expositionstrainings mit Reaktionsmanagement mit dem Ziel, dass der Patient sich nach einiger Zeit zusammen mit dem Therapeuten entscheidet, sich in kontrollierter Weise den zwangsauslösenden Situationen zu stellen, ohne die Rituale auszuüben (Reaktionsmanagement). Nach und nach wächst das Selbstbewusstsein des Patienten, die Lebensqualität nimmt zu, da er oder sie dem Zwang wieder wichtige Lebensbereiche entrissen hat.
  • Der Patient übernimmt Verantwortung für die Abfolge der Übungen.
  • Der Therapeut begleitet den Patienten so oft wie nötig, evtl. auch nach Hause, da bei vielen Patienten die Zwänge in den eigenen vier Wänden oftmals deutlich schlimmer als in der Klinik sind.
  • Der Patient lernt, die Expositionsübungen alleine durchzuführen.

Kontakt

Klinik Carolabad
Riedstraße 32
09117 Chemnitz

Telefon: +49 (371) 8142-0
Telefax: +49 (371) 8142-111
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